Positive Einstellung als Führungskompetenz – Gelber Smiley zwischen roten Smileys als Symbol für positive Einstellung, Optimismus und eine konstruktive Haltung Kommunikation

Positive Einstellung als Führungskompetenz

Warum Optimismus allein nicht reicht

Positive Einstellung als Führungskompetenz – Positiv denken heißt nicht, Probleme schönzureden.

Unsere Art zu denken, mit uns selbst umzugehen und mit unseren Gefühlen umzugehen, beeinflusst, wie wir Situationen wahrnehmen. Unsere Gedanken entscheiden mit darüber, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, welche Möglichkeiten wir erkennen und welche Entscheidungen wir treffen. Das gilt im privaten Leben genauso wie im beruflichen Alltag und in der Führung.

Gedanken verändern nicht automatisch unsere Realität. Aber sie können verändern, wie wir dieser Realität begegnen. Ein Mensch, der davon überzeugt ist, ohnehin nichts verändern zu können, wird möglicherweise irgendwann aufhören, nach Möglichkeiten zu suchen. Wer dagegen davon ausgeht, zumindest einen Teil einer Situation beeinflussen zu können, wird eher nach Handlungsmöglichkeiten suchen. Positives Denken garantiert keinen positiven Ausgang. Aber negatives Denken kann dafür sorgen, dass wir Möglichkeiten gar nicht erst sehen.

Positiv denken bedeutet nicht, sich die Welt schönzureden

Genau hier bekommt positives Denken manchmal einen ziemlich schlechten Ruf. Und teilweise zu Recht. Denn natürlich gibt es Situationen, die beschissen sind. Eine Krise wird nicht kleiner, weil wir sie positiv betrachten. Eine Fehlentscheidung verschwindet nicht durch Optimismus. Eine Krankheit lässt sich nicht wegdenken. Und wenn ein Unternehmen vor ernsthaften Problemen steht, hilft es den Mitarbeitenden wenig, wenn die Führungskraft lächelnd verkündet: „Das wird schon!“

Das ist keine positive Führung. Und vor allem ist es keine Strategie. Eine positive Grundeinstellung bedeutet für mich deshalb nicht, Schwierigkeiten zu ignorieren oder Probleme kleinzureden. Im Gegenteil: Wir müssen die Realität zunächst so akzeptieren, wie sie ist. Erst dann können wir uns fragen: Was können wir jetzt daraus machen?

Gerade in Krisen brauchen Mitarbeitende weder Panik noch künstlichen Optimismus. Sie brauchen Orientierung, Klarheit und Führung. In meinem Workshop „Führen in Krisen“ arbeiten wir genau daran: auch unter Druck realistisch zu bleiben und trotzdem Handlungsfähigkeit und Zuversicht zu vermitteln.

Worauf richten wir unsere Aufmerksamkeit?

Unsere Aufmerksamkeit ist begrenzt. Wenn wir uns ausschließlich damit beschäftigen, warum etwas nicht funktionieren kann, werden wir vermutlich ziemlich viele Gründe dafür finden.

  • Warum sollte der Kunde ablehnen?
  • Warum könnte das Projekt scheitern?
  • Warum wird die Veränderung wahrscheinlich nicht funktionieren?
  • Warum bin ich möglicherweise nicht gut genug?

Wir können dieselbe geistige Energie aber auch für andere Fragen verwenden:

  • Was könnte funktionieren?
  • Welche Möglichkeit habe ich bisher übersehen?
  • Was kann ich beeinflussen?
  • Was wäre der nächste sinnvolle Schritt?

Das bedeutet nicht, Risiken auszublenden. Gute Entscheidungen brauchen einen realistischen Blick auf Chancen und Risiken. Aber Probleme zu erkennen und ausschließlich in Problemen zu denken, sind zwei unterschiedliche Dinge. Was unser Geist sucht, wird er häufig auch finden. Vielleicht sollten wir deshalb gelegentlich überprüfen, wonach wir ihn eigentlich suchen lassen.

Positive Einstellung heißt Verantwortung übernehmen

Es gibt vieles in unserem Leben, über das wir keine Kontrolle haben. Andere Menschen treffen Entscheidungen, die uns betreffen. Unternehmen verändern sich. Beziehungen scheitern. Krankheiten entstehen. Projekte gehen schief. Kunden springen ab. Krisen passieren. Positive Einstellung bedeutet für mich nicht, zu behaupten, wir könnten all das mit unseren Gedanken kontrollieren.

Ich kann nicht alles kontrollieren, was mir passiert. Aber ich kann beeinflussen, wie ich damit umgehe. Und genau darin liegt ein wichtiger Teil unserer Eigenverantwortung. Wir können lernen, Gedanken zu hinterfragen. Wir können versuchen, aus automatischen negativen Bewertungen konstruktivere Fragen zu entwickeln. Wir können unseren Blick bewusst auch auf Möglichkeiten, Ressourcen und Handlungsspielräume richten. Manchmal reicht die Aufforderung „Denk doch positiv!“ allerdings nicht nur nicht aus – sie kann sogar ziemlich verletzend sein.

Wenn Belastungen, Ängste, Selbstzweifel oder negative Gedanken zunehmend das eigene Leben bestimmen, kann es hilfreich sein, genauer hinzusehen. In meiner psychologischen Beratung für Führungskräfte biete ich dafür einen persönlichen und vertraulichen Rahmen.

5 Fragen für einen konsruktiveren Blick

Wenn ich merke, dass meine Gedanken beginnen, sich fast ausschließlich um Probleme, Risiken oder mögliche Niederlagen zu drehen, können fünf einfache Fragen helfen:

  1. Was davon kann ich tatsächlich beeinflussen?
  2. Welche Möglichkeit übersehe ich gerade?
  3. Was wäre ein realistischer positiver Ausgang?
  4. Was kann ich heute konkret dafür tun?
  5. Was würde ich einem Menschen sagen, den ich liebe und der gerade in meiner Situation steckt?

Gerade die letzte Frage finde ich spannend.

Denn mit anderen Menschen gehen wir manchmal deutlich liebevoller um als mit uns selbst.

Positive Einstellung als Führungskompetenz

Für Führungskräfte bekommt das Thema noch eine weitere Dimension. Denn ihre Haltung betrifft nicht nur sie selbst. Führungskräfte beeinflussen, worauf Teams ihre Aufmerksamkeit richten. Sie können Unsicherheit verstärken oder Orientierung geben. Sie können Probleme dramatisieren, ignorieren oder gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden nach Handlungsmöglichkeiten suchen. Dafür braucht es keinen künstlichen Optimismus.

Eine Führungskraft darf sagen: „Die Situation ist schwierig. Wir wissen noch nicht, ob alles funktioniert. Aber wir schauen jetzt darauf, was wir beeinflussen können und was unser nächster sinnvoller Schritt ist.“ Für mich ist das eine wesentlich stärkere Form positiver Führung als jedes „Alles wird gut“. Denn sie verbindet Zuversicht mit Realität.

Und genau diese Verbindung wird besonders wichtig, wenn Situationen komplex werden und einfache Antworten fehlen. Im Rahmen meiner strategischen Beratung unterstütze ich Unternehmen und Führungskräfte dabei, solche Situationen zu sortieren, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und tragfähige Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Es muss nicht alles gut sein, um etwas daraus machen zu können

Eine positive Einstellung verändert nicht automatisch die Welt. Sie verhindert keine Krise. Sie beseitigt keine Krankheit. Sie garantiert keinen Erfolg. Aber sie kann beeinflussen, wie wir einer Situation begegnen, welche Möglichkeiten wir erkennen und ob wir überhaupt noch daran glauben, etwas verändern zu können. Vielleicht bedeutet positives Denken deshalb gar nicht: „Alles wird gut.“ Sondern: „Es ist, wie es ist. Und jetzt schauen wir, was wir daraus machen können.“


Headerbild: Count Chris / Unsplash

Daniel Elger de Castro Luís – Lassen Sie uns ins Gespräch kommen. Hintergrund mit KI bearbeitet.